Hasenfuss oder Löwenherz?

Heute Morgen gibt es erstmal kein Frühstück sondern einen Schock: Eines unserer jungen Kaninchen liegt tot im Käfig.

Ich gebe zu, ich habe soeben mehr als nur eine Träne vergossen.

Was? Ich? – Die ich haustierlos aufgewachsen bin und Tierhaltung immer als etwas eher Überflüssiges empfunden habe?

Ja, ich weine, weil mir einerseits das arme flauschige Fellknäuel so furchtbar leidtut. Andererseits, weil ich es meiner sechsjährigen Tochter – einer erklärten Tiernärrin –  noch beibringen muss. Auf Vorschuss leide ich schon mit, weil ich weiss, wie schwer es sie treffen wird. Wenigstens bin ich dankbar, dass ich das Häschen gefunden habe und nicht sie.

Und natürlich zermartere ich mir das Hirn, was ich falsch gemacht habe und mache mir Vorwürfe.

Äusserlich hat das Tierchen keine Verletzungen vorzuweisen und auch sonst trifft keines von möglichen Ursachen zu. Die Diskussion mit dem Züchter ergibt, dass ein Kaninchen eine Herzattacke erleiden kann, wenn es wegen einem anderen Tier erschreckt. Einem Raubtier zum Beispiel.

Und da fällt mir ein, dass ich gestern Nacht mit Herzrasen erwacht bin und gedacht habe, etwas hätte mich geweckt, das ich aber nicht zuordnen konnte. Der stürmische Herbstwind tobt indes schon seit gestern ums Haus und verursacht allerhand Geräusche an sämtlichen Gegenständen, die nicht niet- und nagelfest sind. Deshalb bin ich wieder schlafen gegangen.

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass ein Fuchs aus dem nahen Wald eine makabre Form vom Schweizer Kinderreim: „Lueget ned ume, de Fuchs goht ume …“ gespielt hat. Und dass das Kaninchen an seiner Angst verendet ist. Das arme Wesen! Ich muss wieder weinen.

Und da fällt mir ein, dass wir Menschen uns oft wie ein Häschen in Todesangst benehmen.

Der Fuchs, in diesem Fall ein Sinnbild für die Angst, schleicht in diesen Tagen viel listiger und gemeiner um unsere Hütten als auch schon.

Vielleicht sitzen wir in der Ecke und zittern, weil wir denken: „Der kriegt uns! Jetzt sind wir dran!“

Das Kaninchen wusste nicht, dass der Fuchs nicht in den Stall rein kann, weil wir ihn gewissenhaft fuchssicher eingerichtet haben.

Auch für uns Menschen mag eine Bedrohung real sein, aber unsere Luxus – Käfige sind in der Regel fuchssicher.

Trotzdem hüpfen wir herum und quieken und ängstigen uns zu Tode. Äusserlich sieht man es uns vielleicht nicht an, aber innerlich sind wir bereits vor Angst erstarrt.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Angst in diesem Jahr Hochkonjunktur hat. Aufgepeitscht von Meinungen und Tatsachen, Fakten und Fiktion.

Und so dreht der „Angst-Fuchs“ munter noch eine Runde um unseren Stall. Jagt uns hin und her und rauf und runter, drängt uns in die Ecke, raubt uns die Lebensfreude.

Wie gerne wäre ich gestern Nacht rechtzeitig aufgestanden, hätte den Fuchs vertrieben und dem Häschen zugerufen: „Der kann dir nichts!“

Aber ich habe geschlafen.

Gott schläft nicht! Er weiss das der Angst-Fuchs um deinen Stall herumschleicht, und er ruft dir zu: „Der kann dir nichts!“

In der Bibel steht, dass Gott uns kein Hasenherz gegeben hat, sondern ein Löwenherz. (Zum Zweck der Geschichte aus 2.Timotheus 1,7 angepasst.)

Und was tut ein Löwe, wenn der Fuchs, um seinen Stall schleicht? Er bleckt die Zähne und brüllt den Fuchs an. Und der muss abhauen.

Lasst uns also keine Hasenfüsse sein, sondern Löwinnen und Löwen, die der Angst ins Gesicht brüllen. Sie wird fliehen müssen!

Photo by Keyur Nandaniya on Unsplash

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